
„Gott schenkt uns die Nüsse, aber er knackt sie nicht für uns.“, so lautet ein russisches Sprichwort.
Liebe Tornescherinnen und Tornescher,
haben Sie alle Nüsse knacken können, die Ihnen das Schicksal in 2009 ungebeten vor die Füße geworfen hat? Sicher nicht. Und so ging es uns in der Tornescher Politik auch. Und da ein Jahresrückblick nicht die Plattform für die Abrechnung mit den politisch Andersdenkenden sein sollte, erinnere ich an einige „harte Nüsse“, die wir alle gemeinsam „geknackt“ haben. Wir feierten die Einweihung einer Dreifeldsporthalle und neuer Außensportanlagen an der Klaus-Groth-Schule. Wir unterstützen alle gemeinsam die Ansiedelungspläne eines Tornescher Familienunternehmens am Kreisel in der Ahrenloher Straße. Wir waren einig im Ausbau und der Erweiterung der Kinderbetreuungszeiten an Kindergärten und Grundschulen. Wir plädierten alle gemeinsam für die neue Skateranlage, auf die viele Jugendliche schon so lange warten mussten. Wir beschlossen einstimmig Investitionen für die Feuerwehren und dass unsere Schulen bestens ausgestattet und baulich im guten Zustand sind, ist ebenfalls eine gemeinsam „geknackte Nuss“.
Große Aufregung brachte uns das Thema „Sportplatzverlagerung“. Rückblickend möchten wir die Bemühungen von „Bürger als Experten“ noch einmal loben. Engagiert und uneigennützig hat sich diese Initiative zum Wohle unserer Stadt eingesetzt! Ein attraktiver Ortskern mit Angeboten für jung und alt, integriert in Grünanlagen, das war das Ziel. Ein lohnendes Ziel; wir hätten den Weg dafür gerne freigegeben. Das gesamte Verfahren und die Art und Weise, wie die Auseinandersetzung zwischen „Stadtpark“-Befürwortern und „Stadtpark“-Gegnern geführt wurde, gehört nicht zu den positiven Ereignissen unserer Stadt. Die Sportplatzverlagerung und das Nutzungskonzept für das jetzige Sportplatzgelände ist nach unserer Auffassung von Seiten der Verwaltung unsauber vorbereitet und von CDU und SPD kritiklos durchgewinkt worden (das musste nun doch einmal gesagt werden). Uns bleibt die Hoffnung, dass im Zusammenhang mit der Planung einer Tennishalle neue Überlegungen angestellt werden müssen und am Ende für alle eine vernünftige Lösung gefunden werden kann.
Die Vermarktung der Grundstücke in Tornesch Ost und die Umsetzung des Ideenwettbewerbs für den neuen Stadtteil müssen Vorrang haben für die Stadtplanung. Wir haben seinerzeit der Erhöhung der Kassenkredite für den Grundstückserwerb nicht zugestimmt, sondern eine Kosten-Nutzen-Analyse eingefordert. Als gute Demokraten wollen wir nun aber an der erfolgreichen Umsetzung in Tornesch Ost mitwirken.
Ärger gab es in 2009 im Zusammenhang mit der Ausübung des Vorkaufsrechts und dem Ausbau der Straßen im Esinger Moor. Wir haben uns engagiert für ein besseres Miteinander zwischen Betroffenen, der Verwaltung und der Politik eingesetzt und werden diese Bemühungen auch weiter fortführen. Dabei geht es uns darum, für unsere Bürgerinnen und Bürger Verwaltungsabläufe transparent zu machen und unbequeme Fragen nicht im Keim zu ersticken. Dazu gehört für uns u.a. auch ein öffentlich tagender Hauptausschuss. Vielleicht bekommen wir im Jahre 2010 die notwendigen politischen Mehrheiten dafür?
Eine besonders harte Nuss müssen wir ungeknackt wieder mit ins neue Jahr nehmen: Die Tornescher Verkehrssituation! Wir plädieren für die zügige Erarbeitung eines modernen Verkehrskonzeptes, das die Entlastung des Ortskerns und der Ahrenloher Straße ebenso im Blick hat, wie die Verkehrsberuhigung in Wohnstraßen, den Ausbau von Radfahrwegen, die vorausschauende Verkehrsplanung bei der Ausweisung von Baugebieten bzw. Sportanlagen und häufigere Zughalte nach Hamburg für die vielen Pendler unserer Region. Die 40 Jahre alte Planung der K22 wurde von der Realität auf den Straßen überholt. Neue Konzepte müssen her! Wir arbeiten dran und freuen uns, wenn wir dafür Verbündete finden.
Äußerst zäh zogen sich auch die Bemühungen um die Erweiterung des Schulzweck-verbandes mit der Stadt Uetersen hin. Ein wahrer Dauerbrenner. Eine „Nuss“, die wir nur mit Verbündeten „knacken“ können. Die Finanznöte in den Städten zwingen uns, endlich Einsparungen mit der Zusammenlegung von Verwaltungsaufgaben zu erzielen. Geredet wurde schon viel zu lange, es müssen Taten folgen! In der Schulfrage gilt es in 2010 aufmerksam zu verfolgen, ob das geplante so genannte Vorschaltgesetz interessante Möglichkeiten für die Weiterentwicklung unserer Schulen bietet.
Eine Herkulesaufgabe steht uns gleich zu Beginn des neuen Jahres bevor, der Haushalt 2010. Auch an Tornesch ist die Wirtschaftskrise nicht vorbeigegangen. Die rückläufigen Gewerbesteuereinnahmen sprechen eine deutliche Sprache. Ein WEITER SO gibt’s mit uns nicht. Wie diese Nuss geknackt wird, lesen sie demnächst in Ihrer Tageszeitung oder auch auf dieser Internetseite
Tornesch, eine Schlafstadt? Nein, hier herrscht eine Menge Leben, hier gibt es viele Aktive, die sich ehrenamtlich einsetzen zum Wohle unserer Stadt und den hier lebenden Menschen. Ihnen allen sei an dieser Stelle herzlichst gedankt.
„Beide schaden sich selbst: der, der zu viel verspricht und der, der zu viel erwartet“, so lautet ein Zitat von Gotthold Ephraim Lessing, dem Verfasser des Theaterstücks Nathan der Weise. Lassen Sie uns realistisch bleiben und stellen wir uns den Aufgaben des neuen Jahres mit Mut, Zuversicht, Offenheit und Fairness dem Andersdenkenden gegenüber. Dann werden wir sicher wieder so manche harte Nuss gemeinsam knacken.
Mit den allerbesten Wünschen für das neue Jahr grüße ich Sie herzlich
im Namen der FDP-Fraktion
Ihre Ursula Eßler
Fraktionsvorsitzende
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